Textklau im Internet

Wer seinen Text auf fremden Web-Seiten wiederfindet, hat dies ausdr√ľcklich erlaubt. Sollte man meinen. Oft wird Content aber regelrecht geklaut. Da allein der Urheber bestimmt, ob und auf welche Art sein Text verwertet werden darf, sollte er den Textklau keinesfalls als Kavaliersdelikt hinnehmen.
Was ist bei Verstößen gegen das Urheberrecht zu tun? (Keine Rechtsberatung!)textklau im intenet

Zun√§chst muss der Urheber kl√§ren, ob der eigene Text √ľberhaupt urheberrechtlich gesch√ľtzt ist. Die Rechtsprechung beantwortet diese Frage eher schwammig. Urheberrechtlichem Schutz unterliegen Texte, wenn sie eine gewisse „Sch√∂pfungsh√∂he“ erreichen. Darunter wird die Individualit√§t und Einzigartigkeit eines Textes verstanden. Sie dokumentiert sich in einer individuellen Gedankenf√ľhrung und Gestaltungskraft.

Beispiele f√ľr urheberrechtlich gesch√ľtzte Texte sind Beitr√§ge in Zeitungen, Zeitschriften und individuell verfasste Werbe-Texte sowie redaktionelle Beitr√§ge auf Websites.
Hingegen fallen Gesetze, amtliche Bekanntmachungen sowie Gerichtsurteile nicht unter urheberrechtlich gesch√ľtzte Texte.
Hat der Urheber die Rechte an seinem Text nicht √ľbertragen, also keine bestimmte Nutzung einger√§umt, kann er nach geltendem Recht seine Anspr√ľche auf verschiedenen Wegen durchsetzen.

Selbst aktiv werden
Zun√§chst sollte der Gesch√§digte versuchen, zu einer g√ľtlichen, kosteng√ľnstigen Einigung mit dem Verletzer zu gelangen und ihm jede weitere Nutzung des Textes untersagen. Eine etwa 14-t√§gige Frist zum Entfernen des Textes von der Webseite sollte gen√ľgen. Ob der Urheber ein Honorar fordert, ist abh√§ngig vom konkreten Fall.

Wie im Beispiel http://www.work-innovation.de/ (Das Blog gibt es leider nicht mehr.) hatte der Geschädigte mittels des Internettools Copyscape (www.copyscape.com) den Datenklau bemerkt und den Verletzer daraufhin kontaktiert. Der Contentdieb entfernte den kopierten Text sofort von seiner Website.
Es bleibt dem Urheber √ľberlassen, dem Verletzer eine weitere Nutzung gegen ein angemessenes Honorar zu gestatten. Hierzu werden Nutzungsart, -dauer, -umfang und ‚Äďort vereinbart.

Doch nicht immer zeigt sich ein Datendieb einsichtig. Ein unfreiwilliger Nachhilfekurs in Urheberrecht, Rechnungen und Mahnungen kosten den Urheber Zeit, Geld und Nerven. Dann hilft wirklich nur anzuk√ľndigen, ohne weitere R√ľcksprache einen Anwalt einzuschalten.

Strafanzeige stellen
Bei nachweislichem Urheberrechtsklau kann der Urheber gegen den Verletzer kostenlos, also auch ohne Hinzuziehung eines Anwalts, eine Strafanzeige stellen.

Entweder der Urheber wendet sich sofort an den Staatsanwalt, oder er gibt zun√§chst bei der Polizei den Sachverhalt zu Protokoll. In jedem Fall sollte der Versto√ü umfassend dargestellt werden. Ggf. ermittelt die Polizei noch weiter und √ľbergibt dann die Akte der zust√§ndigen Staatsanwaltschaft beim Amts- bzw. Landgericht. Die Staatsanwaltschaft pr√ľft, ob Anklage erhoben wird.
Vorsicht ist geboten: Erstattet der vermeintliche Urheber unberechtigterweise eine Strafanzeige, kann er sich einer eigenen straf- und zivilrechtlichen Haftung aussetzen.

Rechtsbeistand
Urheber scheuen oft, etwas gegen den Datenklau zu unternehmen. Denn: Der Urheber muss als Mandant die Anwalts- und Gerichtskosten vorschie√üen, um zu seinem Recht zu kommen. In schwierigen F√§llen kann es sich durchaus lohnen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Widerspricht der Verletzer einem gerichtlichen Mahnbescheid, muss der Urheber den Anspruch in Form einer Klageschrift begr√ľnden; eine Aufgabe, die mit einem Anwalt leichter zu bewerkstelligen ist. Bei Wiederholungsgefahr wird der Rechtsanwalt empfehlen, auf Unterlassung zu klagen. Der Unterlassungsanspruch ist verschuldensunabh√§ngig.

Beweissicherung
M√∂chte der Urheber des Textes gegen einen Versto√ü vorgehen, muss er ihn in jedem Fall nachweisen. Dazu kann er die Webseite mit dem Text abspeichern, einen Screenshot fertigen und die Seite mit Datum ausdrucken. Ratsam ist auch das Hinzuziehen von Zeugen. Wurde die Seite mit dem geklauten Inhalt kurzzeitig vom Netz genommen oder auf eine anderen Domain √ľbertragen, hilft die Waybackmaschine (http://www.archive.org/web/web.php) weiter. Sie speichert Websites in einem Archiv. Allerdings k√∂nnten Eintragungen in der robots.txt der Webseite das Archivieren verhindert haben.

Schadenersatz
Wenn der Urheber vor Gericht erfolgreich seine Rechte erstritten hat, muss der Sch√§diger zumindest die Anwalts- und Gerichtskosten tragen. Schadensersatzanspruch setzt Verschulden voraus. U. U. hat der Urheber Anspruch auf Schadenersatz in H√∂he des entgangenen Gewinns, der nachzuweisen ist. Die Honorarrichtlinien von Branchenverb√§nden stellen dabei eine erste Orientierung dar. Doch ob √ľberhaupt und gegebenenfalls in welcher H√∂he Schadensersatz verlangt werden kann, ist eine selbst f√ľr Spezialisten schwer zu beantwortende Frage.

Tags: ,

Nichts verpassen und neue Beiträge abonnieren

Privatsphäre garantiert! Jederzeit abbestellbar!

einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Top