Die reale Welt des Bösen

Bücher über KriminalfälleHinter diesem düsteren Vortragstitel verbergen sich Kriminalfälle, die der langjährige Leiter der Münchner Mordkommission und pensionierte Kriminaloberrat Josef Wilfling in Lesungen einem breiten Publikum in Deutschland, Österreich und in der Schweiz knallhart, sachlich und gelegentlich mit einem Augenzwinkern präsentiert. Der erfahrene Ermittler Wilfling klärte einst spektakuläre Fälle wie den Moshammer- und Sedlmayr-Mord auf und schnappte Serientäter.

In mehreren BĂĽchern, wie „AbgrĂĽnde – wenn Menschen Mörder werden“ hat der Hobbyautor Kriminalfälle niedergeschrieben und sogar ein Fachbuch „Aus der Praxis fĂĽr die Praxis“ nachgeschoben. Damit möchte er sein Wissen an die JĂĽngeren weitergeben, welches er in 42 Jahren Polizeidienst angesammelt hat. Sein jĂĽngstes Buch „Geheimnisse der Vernehmungskunst“ ist gerade erschienen.

Josef Wilfling bei seinem Vortrag in Cham
Am Donnerstag, dem 21. März 2019 fand im „Hotel Am Regenbogen“ Cham der Vortrag „Die reale Welt des Bösen“ mit Buchautor Josef Wilfling statt. Die Veranstaltung organisierte die Kolpingfamilie zugunsten des WEISSEN RINGS anlässlich des Tages der Kriminalitätsopfer am 22. März.
Ich war als Zuschauerin im ausverkauften Saal dabei und möchte euch in diesem Blogbeitrag einige Eindrücke vermitteln. Danach betrachtet ihr Krimis sicherlich aus einem anderen Blickwinkel.

Veranstaltung Vortrag Josef Wilfling

Mit diesem Krimi geht Mimi bestimmt nicht ins Bett!

Was wir täglich im Fernsehen an Krimis zu sehen bekommen, hat mit wahrer Polizeiarbeit nicht viel tun. Wilfling wird deutlich: Die Realität sei so schlimm, so etwas könne man im TV nicht nachstellen. Zweihunderttausend Kriminalfälle bearbeitet die Polizei in Deutschland jährlich. Die Mordrate liege in Deutschland bei 5,3 Prozent, das sind rund 800 Tote. In diese Statistik wurden Kriegstote nicht einbezogen. Erschreckend ist auch eine andere Zahl: Derzeit werden in Deutschland ca. 11.000 Kinder vermisst.

Übrigens, so ergänzte der Buchautor und Ermittler Wilfling: Am gefährlichsten ist es daheim. 80% der Delikte passieren in Wohnungen. Das Messer sei das häufigste Tatwerkzeug. Je mehr Waffen im Umlauf sind, desto mehr Tote gibt. Eine entsprechende Statistik über diesen Zusammenhang sollte man meiner Meinung nach mal Herrn Trump zustecken.

Insgesamt gebe es in Deutschland weniger Morde als frĂĽher, so Wilfling. Dies habe vor allem damit zu tun, dass Frauen heute selbstbewusster auftreten (Frauen werden häufiger getötet als Männer), die Toleranz gegenĂĽber sexuell anders orientierten Menschen generell größer geworden ist, die Ă„rzte heute mehr Menschenleben retten können (ärztliche Kunst) und durch den technischen wie wissenschaftlichen Fortschritt viel mehr Fälle von Gewaltkriminalität aufgeklärt werden. Als Beispiel nannte Josef Wilfling den Einsatz von Computern u. a. zum Datenabgleich sowie DNA-Analysen. FĂĽr eine solche Analyse reiche nur 1 Körperzelle! Durch den Fortschritt konnten auch nach Jahrzehnten sehr viele sog. Cold Cases aufgeklärt werden.

Kann jeder zum Mörder werden?

In seinem mehr als neunzigminĂĽtigen Vortrag gab der Autor ungeschönte Einblicke in seine Arbeit bei der Polizei und beantworte Fragen, wie zu den Motiven fĂĽr einen Mord, ob jeder zum Mörder werden kann und was „hinterher“ kommt, nämlich das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen. Wir alle tragen ein gewisses Potenzial in uns, kriminell zu werden. Wilfling vergleicht es mit Krebs, der in uns schlummert. Ob er ausbricht, haben wir weitgehend selbst in der Hand, denke ich.

Leider, so belegt er, haben sich Menschen seit Jahrtausenden moralisch nicht geändert. Selbstsucht, Rache, Hass und Heimtücke seien menschliche Defizite, die auch heute noch Auslöser krimineller Taten sind. Die meisten davon passieren im familiären Umfeld.
Wilfling ermahnte mit einem Augenzwinkern:

Drum prĂĽfe, wer sich ewig bindet!

oder

Augen auf bei der Partnerwahl!

Josef Wilfling beklagt offen die Gleichgültigkeit, die sich in unserer Gesellschaft ausgebreitet hat. Allein darüber könne er ein Buch schreiben. Doch er spricht auch von Hoffnung:

Wo viel Leid ist, ist auch viel Menschlichkeit.

Es bleiben immer Narben, ein Gewaltdelikt reiĂźt viele Menschen ins Verderben, nicht nur das Opfer selbst.

Hilfe fĂĽr Opfer von krimineller Gewalt

Der WEISSE RING ist ein gemeinnĂĽtziger Verein, der Opfern zur Seite steht. Ihr kennt sicherlich noch den Initiator und MitbegrĂĽnder, den Journalisten und Fernsehmoderator Eduard Zimmermann (1929-2009) aus „XY ungelöst“. 400 AuĂźenstellen gibt es heute in Deutschland, wo ehrenamtliche, geschulte Mitarbeiter zuhören, Opfer zum Gericht begleiten, manchmal auch in Notlagen finanziell helfen, präventiv tätig werden, einfach da sind und ggf. an andere Hilfsorganisationen vermitteln.

Auf der Internetseite des Vereins findet ihr Rat und Hilfe sowie die Ansprechpartner in den AuĂźenstellen.

www.weisser-ring.de/
Opfer-Telefon 116 006, bundesweit, kostenfrei, täglich 7 bis 22 Uhr
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