Millionen für die Armen – Betrugsmasche per Mail

Da will einem einer etwas Gutes tun, und man will es nicht haben! Drei Millionen einfach so abschlagen, wenn man krank, arbeitslos oder gar pleite ist? Oder sich ehrenamtlich engagiert und den Armen mit dem Geld in der Gemeinde helfen könnte? Oder endlich die Schönheits-OP nachholen, ausgiebig in der Karibik detoxen? Nein?

Mit Daten ist im Internet viel Kohle zu machen. Und trotzdem sind viele von uns so unvorsichtig, noch mehr von sich preis zu geben. Kein Wunder, dass die Maschen der Betrüger immer professioneller geplant und ausgeführt werden. Eine betrügerische Nachricht landete unlängst in meinem E-Mail-Postfach.

Nachrichtentext einer betrĂĽgerischen E-Mail

Eigentlich hätte ich sie gar nicht vom Server geladen, weil der Betreff fehlte und ich den Absender nicht kannte.
Zur Erklärung: Mein E-Mail-Programm „The BAT!“ kann per Postfach-Inspektor schauen, was im Postkasten liegt, damit ich mich entscheiden kann, welche Mails ich wirklich lade und welche gleich auf dem Server gelöscht werden.

Meine journalistische Neugier war schnell gestillt, denn was ich nun sah, hatte ich in ähnlicher Weise in der ZDF-Sendung „WISO“ vom 15. Juli 2019 erfahren: eine ganz perfide Betrugsmasche, ausgeheckt von kriminellen Spezialisten ihres Fachs, wie Programmierer, Psychologen und anderen Spezls.

Im Mailprogramm klickte ich auf die erweiterte Nachrichtenansicht (Mail-Header), um mehr zum Absender zu erfahren. Viel kann ich damit nicht anfangen, denn Kriminelle verschleiern ihre Identität geschickt. Alles scheint normal. Nur Google mit dem Service Gmail scheint nichts „mitzubekommen“.

Auszug aus dem E-Mail-Header einer betrĂĽgerischen Mail

Mir wurde in der E-Mail eine Spende in Höhe von 3 Millionen Euro angeboten, um damit den „Wohltätigkeitshäusern und den Armen in ihrer Gemeinde“ zu helfen. Der „Gönner“, selbsternannter größter Jackpot-Gewinner der New Yorker Lottogeschichte, möchte „die Welt zu einem besseren Ort machen.“

Die Cyberkriminellen untermauern die Echtheit ihres Vorhabens mit einem Artikel über den vermeintlichen Gewinn in der Zeitung New York Post und mit einem YouTube-Video. Ich lasse es schön bleiben, auch nur einen Link in dieser Nachricht anzuklicken! Das solltet ihr ebenso handhaben, falls ihr Mails dieser Art bekommt. Beinahe erwartungsgemäß führen Links in Betrugsmails auf verseuchte oder gefakte Internetseiten. Die ZDF-Ausstrahlung zeigte, dass es sich in deren Fall um detailgetreue Nachbauten von real existierenden Webseiten handelt, denn die Cyberkriminellen sind hochqualifizierte Fachleute, wie Programmierer, Psychologen usw., die Betrugskampagnen planen und realisieren.

Ich konstruriere den möglichen weiteren Verlauf des Betrugsprozederes, den ich natürlich nicht in Gang setzte:
Dem ZDF-Bericht zufolge kann ich nur mutmaßen, was nun weiter passiert wäre. Ich hätte eine Kopie meines Personalausweises senden müssen, um Zugriff auf ein scheinbar real existierendes Bankkonto zu erhalten, natürlich nach Zahlung irgendeiner Gebühr im vierstelligen Bereich. Ich hätte nach dem Einloggen auf einem exakten Nachbau einer Bank-Webseite (Fake!) die 343,8 Millionen Dollar Gewinn sehen können. Ich hätte vielleicht übersehen, dass die angegebene Internetadresse der einer Bank bis auf eine Winzigkeit ähnelt und mich weiter zu Geldzahlungen nötigen lassen müssen, um an die Millionen zu kommen.

Menschen geben im Internet viel zu viel von sich preis. Oftmals höre ich Argumente von Internetnutzern, wie „Was ist bei mir schon zu holen!“

Vielen Nutzern ist nicht bewusst, dass Kriminelle mit dem Handel gestohlener Identitäten sehr viel Geld verdienen und welcher Schaden ihnen entstehen kann,

weiĂź Prof. Dr. Christoph Meinel vom Hasso-Plattner-Institut.

Alle mit dem Internet verbundenen Geräte können von Infektionen betroffen sein: Firmennetzwerke, Privatcomputer, Smartphones, kabellose Eingabegeräte wie Mäuse und Tastaturen, die mit USB-Dongles ohne Bluetooth genutzt werden, Augmented-Reality-Geräte, Kinderspielzeug, eine Kaffeemaschine im Smart Home. Sicherheitslösungen werden zwar intelligenter.

Für den normalen Internetnutzer werde es nach Angaben von Meinel angesichts der sich täglich ändernden Gefahrenlage dennoch zunehmend anspruchsvoller, Attacken abzuwehren.

Eine hundertprozentige Sicherheit im Internet gibt es nicht. Kommt ihr zu Schaden, solltet ihr unbedingt eine Anzeige bei der Polizei erstatten.

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