Wohngesundheit ist mehr als nur ein Modewort

Im Baugewerbe herrscht dicke Luft, noch. Bauherrn mit Allergieschock, Beamte, die ihr Dienstgebäude räumen müssen, schädliche Lösungsmittel in Schulen – wir kennen die Schlagzeilen über krankmachende Einflüsse in unserer Wohn- und Arbeitsumgebung. Doch was tun wir dagegen? Einerseits zeigen wir nicht ausreichend Interesse am Thema Wohngesundheit und haben nur die Kosten im Blick, sagen Vertriebsleute, andererseits sind wir mit der Flut an Informationen überlastet, siehe Umweltsiegel.
Wem können wir vertrauen?

GĂĽnter Beierke

GĂĽnter Beierke

Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir kürzlich ein Seminar über Wohngesundheit mit dem Referenten Günter Beierke, Regionalleiter Ost beim Sentinel-Haus Institut (SHI), angehört. Das SHI begleitet Unternehmen bei der Umsetzung des ganzheitlich angelegten Konzepts für eine gute Innenraumluftqualität. Das Konzept garantiert: „30 Tage nach der Fertigstellung des Gebäudes überprüft ein unabhängiges Institut die vereinbarte gesundheitliche Qualität. Sind die Kriterien erfüllt, wird das SHI-Zertifikat „Gesundheitspass“ verliehen.“ (Auszug aus einem SHI-Flyer)
Maßgebend für ein gesunde Innenraumluft ist der Richtwert II, der auf der Webseite des Umweltbundesamtes erklärt wird. Günter Beierke dazu:

Engelbert Horn

Engelbert Horn

Es gibt immer mehr Bauunternehmer, die wie Engelbert Horn, Geschäftsführer der Rötzer-Ziegel-Element-Werk GmbH, der Meinung sind:

Eines der Grundbedürfnisse des Menschen, saubere Luft zu atmen, stand bei der Schulung im Fokus. Wer ist denn eigentlich verantwortlich, damit wir uns noch in die eigenen vier Wände trauen können: Die Produzenten von Bauteilen und Baustoffen, oder der Handwerker, der diese verarbeitet? Der Marketer oder Vertriebler etwa, der uns gesundes Wohnen verspricht?

Die Teilnehmer des Seminars, allesamt Fachleute von der Geschäftsleitung bis hin zum Vorarbeiter machten es sich nicht leicht, schon bald war eine rege Diskussion im Gange. Die Luft wurde wahrlich „dicker“, wie das CO2-Messgerät anzeigte. Jeder sah in seinem Verantwortungsbereich Chancen, etwas für mehr Wohnqualität zu tun, die ganze Palette der Begrifflichkeiten wurde bemüht: Baubiologie, Chemie, Haftung, Politik, Emission, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wertschöpfung, Behaglichkeit.
Teilnehmer

Allerdings stehen einige zu lösende Aspekte im Weg. Die Schaffung von Rechtssicherheit fordert die Politik auf den Plan, man darf das ruhig wörtlich nehmen. Denn gesundes Bauen beginnt mit der richtigen Planung:
Welche Materialien und Bauteile nehme ich?
Wie vertragen die sich mit anderen Stoffen?
Welche Subunternehmer verwenden garantiert schadstofffreie Materialien?
Können Handwerker bestimmte Materialien überhaupt problemlos verarbeiten?
Ist Ă–ko gleich gesund?
Wer prüft die Qualität?
Wer haftet fĂĽr die Nichteinhaltung garantierter Versprechen?
Was kostet Wohngesundheit?

Ausschnitte aus der Diskussion:

Alle Fragen wurden nicht beantwortet, deshalb soll es eine Fortsetzung in Form einer Seminarreihe geben. Das ist auch gut so. Denn das Thema Wohngesundheit bzw. „Innenraumlufthygiene“, wie es fachlich richtig heißt, ist viel zu wertvoll und komplex, als mal eben abgehandelt zu werden.
In Rötz ist die Richtung klar:

Wer gesund wohnen will, kann die Verantwortung nicht allein auf ein Bauunternehmen abwälzen. Man muss schon selber wollen – und es (freilich) bezahlen (können). Nicht immer bedeutet Sparen auch Verzicht. Haben wir gerade gelernt im Zusammenhang mit Lebensmitteln, die wir wegschmeißen. „Prioritäten setzen“ trifft es schon eher.

Und man muss sich schlau machen, ganz gleich, ob man neu baut oder saniert. Auf folgenden Internetseiten können sich Interessierte zum Thema Wohngesundheit informieren:

Eingangs stellte ich die Vertrauensfrage, hier nun meine Antwort: Menschen, die darum ringen, dass es uns als künftige Hausbesitzer nicht an die Gesundheit geht, denen würde ich eher vertrauen als solchen, die nur schöne Worte machen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Schreiben Sie einen Kommentar! Damit helfen Sie anderen interessierten Lesern, aber auch allen, die sich um Wohngesundheit bemĂĽhen.

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