Schön schreiben und dabei zu sich selbst finden

Die einen malen, machen Musik, treiben Sport, um eigene Grenzen zu erkennen und zu sich selbst zu finden. Andere widmen sich dazu der Kalligraphie.
Unter Kalligraphie, auch ‚ÄěShodo‚Äú genannt, versteht man nicht nur die Kunst des Sch√∂nschreibens, sondern sie gilt auch als Philosophie f√ľr Geist und Seele.

@Tomasz-MikoŇāajczyk_pixabay.com

Wer sich gerne mit der Kunst des sch√∂nen Schreibens besch√§ftigen m√∂chte, kann japanische Kalligraphie von der Performance-K√ľnstlerin Junko Baba lernen oder seine Kenntnisse vertiefen. Sie unterrichtet das Programm ‚ÄěShodo ‚Äď Die Kunst der Kalligraphie‚Äú des √∂sterreichischen Reiseanbieters Indigourlaub. Junko Bab ist Operns√§ngerin, Lehrbeauftragte an der Universit√§t Wien und leitet die Europ√§ische Zweigstelle der Nihon Shuji Kalligraphie Gesellschaft.

Im veranstaltereigenen Mountain Retreat Center bei Sachrang im Chiemgau/Oberbayern sind verschiedene Termine im Juni und November buchbar.

Im Folgenden verr√§t Junko Baba, was die Faszination der Kalligraphie ausmacht. Das Interview f√ľhrte Vera von Wolffersdorff/AHM PR

Welche Werkzeuge benutzt man im ‚ÄěShodo‚Äú?

Junko Baba: Die sogenannten ‚ÄěVier Sch√§tze‚Äú ‚Äď Pinsel, Tusche, Reibstein sowie Papier ‚Äď werden aus verschiedenen Materialien hergestellt. Pinsel k√∂nnen aus Schaf-, Pferde-, Wiesel- oder Dachshaar sein oder eine Mischung daraus. Auch das Papier besteht aus verschiedenen Materialien und St√§rken. Die Tusche aus Ru√ü und Leim riecht ein bisschen nach Weihrauch. Das meditative Anr√ľhren mit Wasser auf dem Reibstein ist die ideale Einstimmung auf das Schreiben.

Die japanische Kalligraphie-K√ľnstlerin Junko Baba unterrichtet im Mountain Retreat Center von Indigourlaub im Chiemgau.
Bildnachweis: Junko Baba/privat

 

Muss man f√ľr ‚ÄěShodo‚Äú still sitzen k√∂nnen?

In Japan bekommen schon Drittkl√§ssler Unterricht in Kalligraphie. Dadurch lernen sie, ruhig zu sitzen und konzentriert zu arbeiten. ‚ÄěShodo‚Äú ist eine gute Hilfe, um zur Ruhe zu kommen. √úbung macht nat√ľrlich auch dort den Meister.
 

Wie läuft eine Unterrichtsstunde ab?

Das Anr√ľhren der Tusche dient zur Vorbereitung auf das Schreiben. Grundregeln hinsichtlich korrekter K√∂rper- und Pinselhaltung sowie Strichrichtung werden erkl√§rt, dann beginnt der Sch√ľler. Schon nach einiger Zeit kann man ein vollst√§ndiges Schriftzeichen schreiben. Wichtig dabei ist, keine Linie ein zweites Mal nachzuziehen.

Sie gelten als eine der aktivsten Performance-K√ľnstlerinnen japanischer Kalligraphie in Europa.

Stimmt. Ich schreibe japanische Schriftzeichen mit sehr gro√üen Pinseln und Papieren vor Publikum. Je nach Thema der Veranstaltung bereite ich mich einige Wochen darauf vor. Dabei arbeite ich meist mit einem Trommelspieler zusammen, der mich w√§hrend meines Schreibens ‚Äď von ein paar Sekunden bis zu ein paar Minuten ‚Äď begleitet.

Zudem sind Sie auch ausgebildete Operns√§ngerin. Erz√§hlen Sie uns doch bitte etwas √ľber die Ber√ľhrungspunkte zwischen beiden Kunstformen.

Musik und Kalligraphie haben viel gemeinsam. Bei beidem bereitet man sich gut vor, muss st√§ndig √ľben. Grundregeln gelten f√ľr alle, die Interpretation jedoch gew√§hrt Raum f√ľr Pers√∂nliches. Und wer auf der B√ľhne arbeitet ‚Äď sowohl in der Musik als auch in der Performance-Kalligraphie ‚Äď wei√ü, dass es nur eine Chance gibt: perfekt performen. Vor Publikum einfach nochmal von vorne anzufangen, geht nicht. ¬†
 

Musik haben Sie in Tokio und in Salzburg studiert. Worin sehen Sie Unterschiede?

Ich musste schon von klein auf sehr viel Disziplin in meinem Alltag aufbringen, um das t√§gliche Unterrichts- und √úbungspensum f√ľr Schule und Kunst zu bew√§ltigen. Mein Tagesablauf war sehr straff gestaltet. Au√üerdem gilt P√ľnktlichkeit in Japan als eines der ganz gro√üen ‚ÄěGesetze‚Äú, man sieht es auch gut am Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der stets sekundengenau nach Fahrplan f√§hrt. In √Ėsterreich hingegen nehmen viele es mit P√ľnktlichkeit und Disziplin nicht ganz so genau. ‚ÄěMach‚Äė ma scho‚Äú, ‚Äěpasst schon‚Äú, ‚Äěschau‚Äė ma mal‚Äú sind bis zum heutigen Tag oft eine gro√üe Herausforderung f√ľr mich, ermahnen mich andererseits aber, es selbst mal ein bisschen lockerer zu nehmen.

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