Norma-Kunden verÀrgert

Montag, 29. MĂ€rz 2010, morgens um acht in Deutschland. Vier Kunden stehen bereits vor Ladenöffnung am Rodinger Norma-Markt und werden pĂŒnktlich eingelassen. Ihr Interesse gilt vor allem den Angeboten aus dem Werbeprospekt. EnttĂ€uschung am WĂŒhltisch: gerade zwei Paar Biodynamix-Herrenschuhe je GrĂ¶ĂŸe 43. Damenschuhe: Fehlanzeige.

Eine frustrierte Kundin sucht vergeblich nach GrĂ¶ĂŸe 44 und wendet sich schließlich an die VerkĂ€uferin, die sofort ihre Hilfe anbietet. Sie telefoniert kurz nach acht Uhr umliegende MĂ€rkte in Cham und Falkenstein ab und berichtet: gar keine bzw. Biodynamix-Herrenschuhe GrĂ¶ĂŸe 42 und 43. Die Schuhe werden aber bis GrĂ¶ĂŸe 44 von Norma beworben.

15 Minuten nach acht trifft sich die Kundschaft an der Kasse des Rodinger Marktes wieder: ohne Schuhe, allerdings mit anderen Waren im Einkaufswagen. Bei Deichmann gebe es die Schuhe auch, aber ca. 5 Euro teurer, versucht eine Kundin die andere zu trösten. Doch die EnttĂ€uschung will nicht weichen. Auch einen Tag spĂ€ter preist das Handelsunternehmen auf seiner Internetseite Biodynamix-Schuhe in verschiedenen GrĂ¶ĂŸen fĂŒr Damen und Herren in der Filiale Roding an.

Bildzitat vom 30.MĂ€rz 2010, Quelle www.norma-online.de

Bildzitat vom 30.MĂ€rz 2010, Quelle www.norma-online.de

Versehen? Panne? Leck in der Vertriebskette? Oder sind die Biodynamix-Schuhe ein Lockvogelangebot? Eine juristisch korrekte Bewertung der Rechtslage im geschilderten Fall obliegt einem Anwalt. Norma selbst gab bisher keine ErklĂ€rung dazu ab, was das Unternehmen unter „begrenzter Anzahl“ versteht.
Fest steht jedoch: Das Szenario in Roding lĂ€sst dem Verbraucher viel Raum fĂŒr noch mehr Spekulationen.

Kunden sind in solchen oder Ă€hnlichen Situationen wie in Roding verĂ€rgert, weil sie umworben, aber mit dem Angebot nicht bedient werden. Verdacht keimt auf, es könne da etwas nicht stimmen. TatsĂ€chlich: Die Kundin bei Norma in Roding hatte im Werbeprospekt wohl das Kleingedruckte ĂŒbersehen: „zeitlich befristet ohne Mitnahmegarantie“. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hĂ€lt dagegen: „Angebotsware muss rechtzeitig im GeschĂ€ft sein, damit Verbraucher sie sofort mitnehmen können. Ausnahmen gelten nur, wo die Selbstmitnahme unĂŒblich ist – wie z. B. in der Automobilbranche oder im Möbelhandel.“ Schuhe ja, mitnehmen nein? TatsĂ€chlich: befremdlich!

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bewertete 2009 Lockvogelangebote so: „Mit SchnĂ€ppchen wollen HĂ€ndler möglichst viele Kunden in ihre GeschĂ€fte locken. Doch manchmal sind die Sonderangebote schon nach einer Stunde ausverkauft oder zu Aktionsbeginn noch gar nicht vorhanden. Das verstĂ¶ĂŸt zwar gegen geltendes Recht, dagegen unternehmen können enttĂ€uschte Verbraucher aber nur wenig.“

Angela Ederer vom Verbraucherservice Bayern, Beratungsstelle Cham, rÀt, sich schriftlich an die Zentrale zur BekÀmpfung unlauteren Wettbewerbs e. V. Frankfurt/Main, kurz Wettbewerbszentrale, zu wenden und folgende Dokumente einzusenden:
– Werbeprospekt
– zur Glaubhaftmachung eine eidesstattliche ErklĂ€rung, wann der Kunde im GeschĂ€ft war und wegen welcher Ware.
Musterformulierungen gibt es im Internet, wie unter http://www.streifler.de/.

Auf ihrer Internetseite veröffentlicht die Wettbewerbszentrale den Text des 2008 novellierten Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Im § 5 a (2) heißt es: „Unlauter handelt, wer die EntscheidungsfĂ€higkeit von Verbrauchern im Sinne des § 3 Abs. 2 dadurch beeinflusst, dass er eine Information vorenthĂ€lt, die im konkreten Fall unter BerĂŒcksichtigung aller UmstĂ€nde einschließlich der BeschrĂ€nkung des Kommunikationsmittels wesentlich ist.“ Der Mitnahmehinweis war zwar ganz unten im Kleingedruckten angebracht, aber sehr leicht zu ĂŒbersehen. (Vgl. zum Thema IrrefĂŒhrung: OLG Stuttgart, Urteil v. 19.11.2009, Az 2 U 47/09 und LG Urteil v. 30.09.2009, Az 84 O 68/09)

Im Anhang des UWG-Textes werden Beispiele fĂŒr unzulĂ€ssige geschĂ€ftliche Handlungen im Sinne des § 3 Abs. 3 aufgefĂŒhrt. Norma hĂ€tte im vorliegenden Fall bekannt geben mĂŒssen, dass der Rodinger Markt nur zwei Paar Schuhe anbieten kann, wĂŒrde ein juristischer Laie daraus schließen.

Das Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verlinkt auf seiner Webseite http://www.verbraucherkompass.de zu einem Angebot der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (http://www.vz-nrw.de), wo verĂ€rgerte Kunden Lockvogelangebote melden können: „Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihren Unmut los zu werden und „Dampf abzulassen“. Wir stellen Anbieter, die Lockvogelwerbung betreiben, an den Pranger. Wir veröffentlichen in der Regel Ihre Erfahrungen und wollen damit demonstrieren, dass es sich dabei vielfach nicht um AusnahmefĂ€lle, sondern um eine gezielte Unternehmensstrategie handelt.“

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher diskutieren öffentlich in sozialen Netzwerken, wie Facebook und Twitter. „Unternehmen tun gut daran, das GesprĂ€ch mit verĂ€rgerten Kunden zu suchen, auch im Web“, rĂ€t PR-Managerin Ramona Hapke. „Damit ihre Kunden nicht enttĂ€uscht sagen: „Nichts fĂŒrs Geld“ statt „Mehr fĂŒrs Geld.“ (Normas Werbeslogan)“

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2 Enlightened Replies

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  1. Anita Meißner sagt:

    Montag frĂŒh um acht gibt es die im Prospekt veröffentlichen Sonderangebote schon nicht mehr. Wirklich Ă€rgerlich!!1

  2. Torsten sagt:

    Das ist nicht Ă€rgerlich das ist blanker Hohn. Die machen das mit Absicht und wollen den Kunden nur reinlocken damit die dann irgendwas anderes kaufen. Totale Manipulation und man kann nichts dagegen machen. Als ob es irgendwas nĂŒtzt den Prospekt einzusenden. Man sollte klagen und den Laden dazu zwingen einem die angebotene Ware auch zu geben.

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