Medizinische Daten f├╝r den Notfall

Pl├Âtzliche gesundheitliche Probleme im Urlaub, ein Unfall oder Brille kaputt – schnelle Hilfe w├╝nscht sich in solchen Situationen jeder. Wie vorteilhaft w├Ąre es, wichtige Gesundheitsdaten, wie Medikationen, Diagnosen, Informationen zu Blutgruppe und Allergien, R├Ântgenbilder u. v. m. bei sich zu haben, um Helfenden einen raschen ├ťberblick ├╝ber den eigenen Gesundheitsstatus zu verschaffen und so eine zeitnahe medizinische Behandlung zu unterst├╝tzen.

Aus eben diesem Grund wurde in Deutschland jahrelang an der Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gearbeitet. Ab Oktober 2011 geben die Krankenkassen elektronische Gesundheitskarten mit Lichtbild an ihre Versicherten aus.

Mittelfristig werden nur noch elektronische Gesundheitskarten durch die Krankenkassen ausgestellt und die Krankenversichertenkarte verliert ihre G├╝ltigkeit,

informiert das Bundesministerium f├╝r Gesundheit.

Quelle: cocos®-promotions gmbh

Quelle: cocos®-promotions gmbh

Gerade chronisch erkrankte und ├Ąltere Menschen sind auf rasche Hilfe angewiesen. Das dachte sich auch die cocos┬«-promotions gmbh, Werbemittel-Hersteller eines Notfall-USB-Sticks. Auf dem sogenannten „TRAVELkeeper┬«“ ist eine Software vorinstalliert, die dem Nutzer das Speichern medizinischer Daten erleichtern soll. Der USB-Stick bzw. wahlweise eine USB-Card im Scheckkartenformat kann beispielsweise im Portemonnaie oder am Schl├╝sselbund mitgef├╝hrt werden.

Was f├╝r Patienten zun├Ąchst nach schneller Hilfe klingt, stellt diejenigen, die im Notfall handeln m├╝ssen, vor medizinische und juristische Probleme. Selbst in Notsituationen kann und darf sich ein Arzt nicht auf die vom Patienten gespeicherten Daten verlassen, gibt Dr. Markus Mohr, Gesch├Ąftsf├╝hrer der ManaThea GmbH, zu bedenken. Die Daten k├Ânnen seiner Meinung nach allenfalls eine Orientierung f├╝r weitere Ermittlungen darstellen, wenn es darum geht, den zeitlichen Aufwand zu minimieren.

Daniel Poeschkens, Pressesprecher der Gesellschaft f├╝r Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematic), verweist auf einen entscheidenden Unterschied zur elektronischen Gesundheitskarte: „Es existieren keine Schutzmechanismen f├╝r sensible Daten.“ Dr. Mohr pr├Ązisiert:

Die Identit├Ąt des Patienten und der auf dem Memorystick gespeicherten Informationen m├╝ssen einwandfrei zueinander passen.

Mohr, dessen Firma in der Computer-Forensik t├Ątig und auf medizinische Portale und IT Security spezialisiert ist, begr├╝├čt grunds├Ątzlich die Unterbringung medizinischer Daten auf einem verschl├╝sselten Memory-Stick:

… wenn Sie die Aspekte gesteigerter Flexibilit├Ąt und Mobilit├Ąt im Alter ber├╝cksichtigen, wie dies insbesondere in den skandinavischen L├Ąndern schon seit Jahren der Fall ist.

Allerdings m├╝ssen seiner Meinung nach ein paar Bedingungen gegeben sein, wie ein komplexer, hochmoderner Verschl├╝sselungs-Automatismus, der auch bei einem Crack-Versuch nur partiell in der Lage ist, lesbare Informationen herzustellen, da dazu weitere elektronische Tokens ben├Âtigt werden (z. B. PIN, TAN etc.). Die Inhalte des PINs sollten sich von selbst zerst├Âren, sollte dieser nicht innerhalb eines definierten Zeitraums autorisiert verwendet werden (z. B. mehrmalige Falscheingabe der Zugangsinformationen). Mohr spricht sich zudem f├╝r einen automatischen, beispielsweise GPS-basierten Locator auf dem Memory-Stick aus, um diesen nach Diebstahl oder Verlust orten zu k├Ânnen.“

Dr. Mohr kommentiert bez├╝glich des „TRAVELkeepers┬«“:

Fraglich bleibt nat├╝rlich, wie ├ärzte in unterschiedlichen L├Ąndern dazu in die Lage versetzt werden, die entsprechenden Neuinformationen nachzutragen.

Nach seiner Ansicht sei es

keinesfalls hilfreich zu wissen, dass die Software auf dem Memory-Stick in Holland an oder von einer Universit├Ąt hergestellt wurde: Ggf. ist die Informationstiefe zu gro├č oder zu wenig umfangreich, oder es werden Daten abgespeichert, die zwar f├╝r die Verh├Ąltnisse des Ursprungslandes in Ordnung sind, in Deutschland aber aus Gr├╝nden des Datenschutzes gar nicht abgespeichert werden d├╝rfen.

Hierbei wird deutlich, dass Ärzte im Ausland u. U. ganz anders mit Patientendaten umgehen bzw. sie nutzen dürfen.

Rechtsverbindlichkeit ist bei der Speicherung medizinischer Daten und deren Verwendung eine entscheidende Frage. Die vom Patienten aufgespielten Daten auf ein Speichermedium sind nicht verl├Ąsslich . Dennoch: Fehlerhafte Angaben auf dem „TRAVELkeeper┬«“ k├Ânnten im Notfall wertvolle Zeit kosten. Daher liegt eine gewisse Verantwortung auch bei den Patienten selbst, mit ihren Daten sorgf├Ąltig umzugehen.

Der „TRAVELkeeper┬«“ ist technisch gesehen sinnvoll. Ob er im Notfall Leben retten kann, wie es der Werbeslogan verspricht, muss er beweisen.

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