Einnahmen aus Content-Vermarktung buchhalterisch richtig behandeln

Viele Journalisten vermarkten ihren Content selbst. Vom Zubrot ├╝ber ein zweites Standbein bis hin zur Einnahmequelle ist im Internet alles m├Âglich.

Die Gr├╝nde f├╝r die Eigenvermarktung sind vielschichtig, allerdings gilt das Internet sicherlich als einer der wichtigsten Faktoren selbst, hat es doch die Medienlandschaft deutlich ver├Ąndert.

Sinkende Absatzzahlen der Zeitungen, Redaktionsschlie├čungen und ÔÇôZusammenlegungen, K├╝ndigungen festangestellter Journalisten, Dumpinghonorare ÔÇŽ – da muss sich so mancher Journalist etwas ├╝berlegen.

Waren es bisher einzelne Publikationen, die Bezahlschranken einf├╝hrten, sprie├čen etwa ab dem vergangenem Jahr Paywalls auch in Deutschland wie Pilze aus dem Boden.
Ob Einzelverkauf (Mikropayment) oder Mitgliedschaftsmodell ÔÇô die Gewinne m├╝ssen versteuert und richtig verbucht werden.

Die folgenden Ausf├╝hrungen sind keine steuerliche Beratung! Ich zeige an Beispielen auf, wie sich der tats├Ąchliche Gewinn durch allerlei andere Kosten verringert und wie ich die Positionen buche.

Journalisten setzen f├╝r redaktionelle Leistungen 7% Mwst. in der Rechnung an den Auftraggeber, bspw. Zeitschriften, Sender und andere Medien, an. Wie verh├Ąlt es sich aber, wenn der Content ├╝ber eine Webseite vermarktet, sprich verkauft wird und dabei ggf. noch eine Provision von einem externen Diensteanbieter abgezogen wird?

Buchhaltung

Buchhaltung Screenshot

Beispiel 1
Um Zugriff auf alle gesch├╝tzten Inhalte zu bekommen, m├╝ssen Leser auf hapkemedia.com derzeit eine Jahres-Mitgliedschaft f├╝r 11,90 Euro inkl. MwSt. abschlie├čen und bezahlen per PayPal.

In der Rechnung werden 19% MwSt. ausgewiesen, da die Mitgliedschaft nicht rein redaktionelle Ware ist, sondern auch Mehrwert, wie bspw. Goodies (B├╝cher, Rabatte ÔÇŽ) beinhaltet.

Buchhalterisch verbuche ich die Einnahme Dieser Inhalt ist nur fuer Mitglieder.

Beispiel 2:
Im Online-Magazin exklusivtext.de k├Ânnen Leser den Zugriff auf einzelne redaktionelle Beitr├Ąge kaufen. ├ťber ein Plugin, bspw. LaterPay, wird der Zugriff auf Inhalte geregelt und die Zahlungsabwicklung durchgef├╝hrt. F├╝r diesen Service verlangt das Unternehmen LaterPay 15% Provision.

Nehmen wir an, ich habe mit meinem Content ├╝ber LaterPay 1 Euro verdient. Macht netto 0,84 Euo.

Buchhalterisch gehe ich nun so vor:
Einnahme 1 Euro verbuchen
Soll 1590
Haben 8400 (19%)

Ausgabe Provision 15%
von 1 Euro Brutto, das sind 0,15 Euro (netto 13 Cent)
Soll 4970 (19 %)
Haben 1590

Rein buchhalterisch bleiben mir als Content-Publisher 71 Cent netto ├╝brig.

Was sonst noch zu beachten w├Ąre

  • Die im Beispiel genannten Kontonummern beziehen sich auf den Kontenrahmen SKR 03;
    andere Kontenrahmen => andere Kontonummern
  • Anstatt 1590 sind bei vielen Unternehmen auch das Konto Bank bzw. Debitoren/Kreditoren betroffen.
  • Bei den PayPal-Geb├╝hren ist evtl. die ┬ž 13b-UStG-Regelung anzuwenden (da Leistung eines im Ausland ans├Ąssigen Unternehmens)

Damit nicht genug

Unternehmen, die digitale Produkte, genauer gesagt Telekommunikation, Rundfunk und elektronische Dienstleistungen ins EU-Ausland verkaufen, d├╝rfen ab 01.01.2015 ihren Privatkunden (Beispiel oben: EU-Privatkunde kauft meinen Content) keine deutsche Umsatzsteuer mehr in Rechnung stellen. Stattdessen m├╝ssen sie den Umsatzsteuersatz des jeweiligen EU-Landes abrechnen. Um das Prozedere zu vereinfachen, nehmen die Unternehmen am sog. MOSS-Verfahren teil. Wer dies nicht tut, muss sich in jedem EU-Land, in welchem das Unternehmen (so auch der Journalist) Content an Privatkunden verkauft, umsatzsteuerlich registrieren lassen und dort die entsprechenden Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben. Phhh!
Weitere Details findet man zahlreich im Internet, Stichwort Mini-One-Stop-Shop (MOSS).

An dieser Stelle bedanke ich mich beim Team meines Steuerb├╝ros, das f├╝r alle meine (nervigen) Fragen stets ein offenes Ohr hat. Zahlen sind halt nicht so mein Ding ­čśë

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